Warum überhaupt einen Plan?

Das Problem mit dem Plan

Alle Jahre wieder… Vor dem Saisonanfang, der für mich in der Regel mit dem Jahresanfang zusammenfällt, starte ich mit diesem guten Vorsatz: diesmal mache ich wirklich einen PLAN.  Denn das wirst Du in allen guten Gartenbüchern, –zeitschriften und -artikeln nachlesen können: am Anfang aller (Garten)dinge steht der Anbauplan.

Eben wie jedes Jahr davor befinde ich mich heuer wieder vor dem selben Dilemma: zu beachten ist der verfügbare Platz, der eigene Geschmack und die eigenen Erwartungen, die guten und schlechten Nachbarschaften, die richtige Zeit zum Aussäen, Pikieren, und Ernten, die Blütezeit, usw, … Hilfe! Wer soll sich da auskennen. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich anfangen soll!

Da ist normalerweise der Moment, wo mich die Verzweiflung packt. Folglich lege ich einfach mit dem Anbau meiner Lieblingspflanzen los, ohne viel nachzudenken. Schließlich will ich nicht lang mit Papier oder Computer hantieren, ich will mich die Hände schmutzig machen! 😉 Und übrigens funktioniert es gar nicht so schlecht. Nur meistens komme ich noch im Lauf der Saison darauf, dass meine Pflanzenwahl nicht die Beste war… Oder dass der Raum, der ohnehin begrenzt ist, nicht optimal genutzt wird.

Ist es Dir vielleicht auch schon mal passiert, dass Du mitten in dem Gartensaison keinen Platz mehr für Deine Lieblingskräuter hast? Oder dass der so rare Platz leer bleibt, weil Du den richtigen Zeitpunkt für Deine Saisonblumen verpasst hast? Wenn Du diese Frage mit ja beantwortest, Willkommen im Klub!

Erster Lösungsansatz

Aber jetzt steht es fest, es kann nicht so weiter gehen. Diesmal wird alles anders! Seit Jahren lasse ich Pflanzen auf meinem Balkon wachsen, und seit Jahren sammeln sich die Gartenbücher auf mein Bücherregal. Trotz allem habe ich bisher keine konkrete Anleitung gefunden, wie der Anbauplan, von dem alle reden, anzugehen ist. Deshalb habe ich beschlossen, selbst eine Methode dafür zu entwickeln. Diese Methode, werde ich weiter unten in diesem Beitrag vorstellen. Und sieh an, sieh an, es ist am Ende gar nicht so kompliziert, wie ursprünglich angenommen.

Denn mit einem Anbauplan zu arbeiten, hat ohne Zweifel sehr viele Vorteile. Dank diesem Plan kannst Du erstens den Platz, der Dir zur Verfügung steht, optimal nutzen. Zweitens stellst Du so sicher, dass die Pflanzen, die Du magst und brauchst, den Platz bekommen, den sie verdienen. Also wie mit der Wunderwaffe Plan beginnen, ohne Wichtiges zu vergessen?

Hier also die Methode in vier Schritten, die ich für meine heurige Planung verwende. Dank dieser Methode komme ich den Zielen meiner Challenge bestimmt einen Schritt näher:

Erster Schritt: die Gefäße auflisten

Das Ziel dieses ersten Schrittes ist es, den verfügbaren Raum zu ermitteln. Wenn Du auch den Beitrag “Den Raum auf Deinem Balkon planen” gelesen hast, weißt Du bereits wie viele Töpfe und Tröge, Du bepflanzen kannst. Ebenso weißt Du, welche Anbaufläche für Deinen Balkongarten, Dir zur Verfügung steht. Schließlich kannst Du die Bedingungen notieren, die auf Deinem Balkon herrschen, und eventuell auch in den verschiedenen Gefäßen.  

Der Kubi zum Beispiel verhält sich ein wenig wie eine Kräuterspirale: oben ist es trocken, unten feucht. Außerdem werden nicht alle Seiten gleichmäßig von der Sonne beschienen. Das sind wichtige Beobachtungen, die für die Pflanzenauswahl im vierten Schritt zu berücksichtigen sein werden. 

Zweiter Schritt: die jährliche Anbautabelle

Die Anbautabelle ist der eigentliche Plan, und somit das zentrale Arbeitswerkzeug, um Deinen Balkongarten zu planen. Sie funktioniert ganz einfach.

Nimm ein Blatt Papier, zeichne eine Tabelle oder verwende ein Tabellenkalkulationsprogramm (wie Excel oder Ähnliches). In der ersten Zeile lasse die erste Spalte frei. In die Zweite und die Weiteren trägst Du die Gefäße ein, die Du bepflanzen möchtest. Es kommt für jedes Gefäß eine Spalte. Solltest Du sehr große Gefäße haben, kannst Du sie auch auf mehrere Spalten aufteilen, damit es übersichtlicher wird.

Nun trägst Du in die erste Spalte die Überschrift “Monate” ein, und schreibst die zwölf Monate des Jahres untereinander auf. Deine Tabelle sieht nun so aus:

Monat / GefäßTrogKorbTontopf
    
April    
Mai    
Juni    
    

Dritter Schritt: die bereits anwesenden Pflanzen auflisten

Wenn Du auf Deinem Balkon schon Pflanzen hast, und diese auch an ihrem Platz belassen möchtest, geht es ganz einfach. Stelle zuerst sicher, dass Deine Pflanzen für die Bedingungen auf Deinem Balkon geeignet sind, und dann trage sie in die richtige Spalte Deiner Anbautabelle ein. Wenn Deine Pflanzen offensichtlich gedeihen, da wo sie sind, ist es schon mal ein gutes Zeichen. Versuche so wenig wie möglich zu ändern, Du hast schon Fixstarter auf Deinem Balkon!

Bei diesem Schritt gibt es in weiterer Folge zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: wenn Deine Pflanzen zwei- oder mehrjährig sind, bleiben sie in ihrem Gefäß das ganze Jahr über, und Du kannst sie in die ganze Spalte eintragen. Wenn Du zum Beispiel Pelargonien hast, werden sie 12 Monate den Platz in ihrem Gefäß einnehmen.

Möglichkeit 2: wenn Deine Pflanzen allerdings Saisonpflanzen sind, trage ihre Namen nur in die Monate ein, wo sie auch tatsächlich den Platz brauchen. Wenn Du zum Beispiel Tomaten anbaust, trage sie in die Monate Mai bis September ein. Von Jänner bis April und von Oktober bis Dezember ist der Platz frei.

So sieht Deine Tabelle nun aus:

Monat / GefäßTrogKorbTontopf
 TulpenPelargonien 
April  Pelargonien 
MaiTomaten Pelargonien 
JuniTomaten Pelargonien 
  Pelargonien 

Vierter Schritt: die Neuankömmlinge

Vielleicht gibt es Pflanzen, die Du schon lang anbauen willst? Oder Du hast dank dem Beitrag “5 Kriterien für die Pflanzenauswahl” neue pflanzen für Deinen Balkon ausgesucht. In allen Fällen siehst Du dank Deiner Anbautabelle auf dem ersten Blick, wo Du noch Platz hast und wann.

Sobald Du Deine Wahl getroffen hast, brauchst Du nur noch die leeren Zellen in Deiner Tabelle zu befüllen.

Bei diesem Schritt kannst Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen. Allerdings schadet es nicht die folgenden Kriterien im Hinterkopf zu behalten:

Gute und schlechte Nachbarn:

Hier kommen sie endlich zum Einsatz, die berühmten Kombinationsregeln. Sie betreffen sowohl die Mischkultur (mehrere Pflanzen gleichzeitig in einem Gefäß) als auch den sogenannten Fruchtwechsel (mehrere Pflanzen nacheinander in einem Gefäß): versuche nur Pflanzen in einen Topf zu stecken, die sich auch vertragen. Für den Fruchtwechsel gilt das allerdings nur so lange Du die Erde nicht austauschst.

Die Hauptkultur zuerst

Die Hauptkultur ist die Pflanze, die die längste Zeit in dem Gefäß bleiben wird, das Du gerade bearbeitest. Versuche diese zuerst in Deiner Tabelle zu bestimmen. In dem vorigen Beispiel sind das die Tomaten. 

Wenn Du die Hauptkultur bestimmt hast, kannst Du die leeren Plätze und Zellen rund herum planen. Mit Vorkultur sind Pflanzen gemeint, die erntereif oder verblüht sind, bevor Du den Platz für die Hauptkultur brauchst. Das können in unserem Beispiel Radieschen oder Frühlingsblumen sein. Ähnlich verhält es sich natürlich mit der “Nachkultur”, die in unserem Beispiel Spinat oder Herbstblumen sein können.

Der richtige Zeitpunkt

Wenn Du bestimmte Pflanzen ins Visier genommen hast, erkundige Dich, wann der beste Zeitpunkt für das Einsetzen ist. Die typischen Zwiebelpflanzen des Frühlings zum Beispiel müssen bereits im Winter eingesetzt werden, wenn Du sie selbst großziehen möchtest. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, sie “fix und fertig” in der Gärtnerei zu kaufen. Sie sind dann allerdings etwas teurer.

Die richtige Gefäßgröße

Für Deine Planung berücksichtige auch den Platzbedarf Deiner Pflanzen. Kräuter kommen in der Regel mit kleineren Töpfen aus als Kürbispflanzen zum Beispiel.

Soll mein Anbauplan das ganze Jahr abdecken?

Du kannst tatsächlich eine Anbautabelle für das ganze Jahr erstellen, das ist aber mit recht viel Arbeit am Anfang des Jahres verbunden. Das reduziert jedoch wesentlich den Planungsaufwand für das restliche Jahr. Es ist allerdings auch möglich die leeren Zellen der Tabelle nur nach und nach je nach Lust, Laune und Inspiration zu befüllen. Vor allem wenn Du die Klimabedingungen auf deinem Balkon noch nicht gut kennst, ist es eher ratsam, sich langsam voranzutasten. Das gibt Dir mehr Flexibilität und Du wirst Deinen Plan laufend Monat für Monat anpassen können. 

Ich hoffe, dass diese Tabelle Dir helfen kann, endlich Deinen Anbauplan zu erstellen. Wenn Du glaubst, dass es ein nützliches Werkzeug ist, zögere nicht, es mit anderen zu teilen.

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