Jetzt ist es so weit, der Frühling ist da! Wahrscheinlich hast du, wie ich, ungeduldig auf diesen Moment gewartet. Vielleicht hast du sogar deinen Balkon oder deine Terrasse bereits so eingerichtet, dass du sofort die Sonne und die laue Luft genießen kannst. Aber hier ist noch eine Sache… Ein kurzer Blick auf den Balkon und eines ist sicher: du bist nicht allein mit dieser genialen Idee. Deine Balkon-Nachbarn, die Nachbarn auf der anderen Straßenseite oder vielleicht sogar Passanten winken dir freundlich zum Frühstück oder beim Feierabend? Wie kannst du dich also vor neugierigen Blicken verstecken? Um diese häufig gestellte Frage zu beantworten, werde ich dir in diesem Artikel ein paar Ideen vorstellen, wie du einen natürlichen Sichtschutz auf dem Balkon oder der Terrasse einsetzen kannst.

Warum ein natürlicher Sichtschutz?

Es gibt viele Möglichkeiten, sich auf dem Balkon oder der Terrasse ganz oder zumindest teilweise vor Blicken zu verstecken. Wahrscheinlich kennst du bereits Lösungen wie Paravent, Sichtschutzmatten sei es aus Naturmaterialien oder aus Kunststoff. Aber hast du schon einmal daran gedacht, deine Pflanzen als Sichtschutz zu verwenden?

Diese Lösung hat viele Vorteile… und da leider nichts auf dieser Welt perfekt ist, auch einige Nachteile.

Die Vorteile eines pflanzlichen Sichtschutzes

Beginnen wir mit der guten Nachricht und betrachten wir die Vorteile dieser Lösung.

  • Die Ästhetik: Der Einsatz von Pflanzen als Sichtschutz ist eine 2-in-1-Lösung, die das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet. Erstens kannst du dich an einer lebendigen Pflanze erfreuen, die attraktiv ist (wenn sie gut ausgewählt wurde) und sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Dadurch ergibt sich zudem ein ständig erneuerter Ausblick. Zweitens hast du den ersehnten Sichtschutz. Außerdem hat dies nicht nur für dich Vorteile. Auch deine Nachbarn oder die Passanten werden sich an einem Pflanzenvorhang erfreuen, statt an einem langweiligen Sichtschutz aus Kunststoff.
  • Gerade in der Stadt, wo Grünes manchmal Mangelware ist, ist der Einsatz von Pflanzen als Sichtschutz eine zusätzliche Möglichkeit, deine unmittelbare Umgebung zu begrünen. Es kann sogar die Aussicht, die du von innen hast, verschönern. Das ist das in Japan übliche Konzept der „geborgten Landschaft“, oder “Shakkei”.
  • Ein grüner Kokon auf deinem Balkon oder deiner Terrasse schafft ein gesundes und angenehmes Mikroklima. Die Pflanzen wirken als Barriere nicht nur gegen Blicke, sondern auch gegen Staub und Lärm. Außerdem erhöhen sie die Luftfeuchtigkeit und schaffen ein wohltuendes Gefühl der Frische. Wenn du die Hitzewellen der letzten Jahre in der Stadt miterlebt hast, wirst du sicherlich verstehen, was das für ein Vorteil sein kann.
  • Durch ihr wechselndes Erscheinungsbild, das sich immer mit dem Wind bewegt, wirken die Pflanzen weniger massiv als „feste“ Sichtschutzmatten oder -lamellen. Sie lassen Luft und Licht durch und sind weniger erdrückend, besonders in kleinen Räumen.
  • Und nicht zuletzt bieten Pflanzen Unterschlupf und Nahrung für Insekten und sogar Vögel. In der Stadt haben Wildtiere nicht oft diese Chance. Nutze also diese Gelegenheit, auf deiner Ebene einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.

Die Nachteile

Wie ich bereits erwähnt habe, ist nichts perfekt und deshalb solltest du auch die Nachteile eines natürlichen Sichtschutzes kennen, bevor du dich entscheidest.

  • Pflanzen, da erzähle ich dir hoffentlich nichts Neues, sind Lebewesen, die sich manchmal unserer Kontrolle entziehen. So ist das Ergebnis, wenn du eine Pflanze als Sichtschutz einsetzt, natürlich weniger vorhersehbar, als wenn du eine Matte, ein Segel oder Lamellen installieren. Aber ist das nicht gerade der Charme eines Gartens? Es steht dir natürlich frei, dies als Nachteil oder Vorteil zu betrachten…
  • Bei der Auswahl von Pflanzen, die dich vor den neugierigen Blicken der Nachbarschaft verbergen sollen, ist es notwendig, die Höhe und den Umfang der Pflanzen im „ausgewachsenen Alter“ zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass etwas Geduld erforderlich ist, bis die Pflanze die gewünschte Größe erreicht hat. Dies kann innerhalb von ein paar Wochen für die Schnellsten oder von ein paar Jahren für die Langsamsten der Fall sein. Aber bis dorthin kannst du ja die „Löcher“ mit festen Sichtschutzelementen „stopfen“.
  • Um ihre Rolle als Sichtschutz zu erfüllen, sind die gewählten Pflanzen in der Regel recht hoch oder recht groß. Sie benötigen daher große Gefäße. Dies kann auf kleinen Balkonen ein Problem darstellen.
  • Auch die nüchternsten Pflanzen brauchen ein Minimum an Pflege. Das Substratvolumen ist begrenzt und die Bedürfnisse sind hoch (die Pflanzen müssen groß und stark sein), sie müssen regelmäßig gegossen und genährt werden. Wie ich in diesem Artikel über pflegeleichte Balkone schon sagte, ist der pflegefreie Balkongarten jedoch noch nicht erfunden worden…
  • Schließlich ist es wichtig zu bedenken, dass alle Sichtschutzlösungen (ob pflanzliche oder nicht) Schattenbereiche auf dem Balkon oder der Terrasse schaffen. Dies klingt ziemlich logisch und ist vielleicht sogar ein willkommener Effekt. Aber denke daran, bevor du die gewünschte Lösung installierst: hinter einer Matte oder einer Hecke (je nach Ausrichtung) wirst du z.B. kein Gemüsebeet anlegen können, weil dann das Licht dafür nicht mehr ausreicht.

Wie wählt man eine Sichtschutzpflanze aus?

Wie bei allen Pflanzen sind die Bedingungen auf deinem Balkon und vor allem die Lichtverhältnisse entscheidend. In diesem Zusammenhang lade dich ein, über die „5 Kriterien, die Sie bei der Auswahl Ihrer Pflanzen berücksichtigen sollten“ nachzulesen.

Darüber hinaus solltest du dir insbesondere in Bezug auf die Rolle der Pflanzen als natürlicher Sichtschutz die folgenden Fragen stellen:

  • Wie dicht soll der Sichtschutz sein? Willst du die Sicht komplett versperren oder nur verschleiern? Das gilt natürlich für die Blicke nach innen, aber auch nach außen.
  • Welche Maße soll die Pflanze haben, um den gewünschten Effekt zu erzielen: wie hoch und wie breit?
  • Zu welcher Jahreszeit benötigst du einen Sichtschutz? Wann nutzt du deinen Balkon oder deine Terrasse? Nur im Sommer oder ganzjährig?
  • Willst du sofort (oder zumindest sehr schnell) einen Sichtschutz oder bist du bereit, mehrere Saisons oder sogar Jahre zu warten?
  • Wie viel Zeit (und Know-how) willst du in die Pflege deiner Sichtschutzpflanzen investieren? Möchtest du einjährige Pflanzen oder eher Mehrjährige?
  • Welchen Stil wünschst du dir für deinen Balkon? Bevorzugst du zum Beispiel einen klassischen, einen romantischen oder einen modernen Stil?
  • Wie viel Platz hast du für Pflanzgefäße? Wie viel Gewicht kann dein Balkon tragen und kannst du/darfst du Spaliere oder Kletterhilfen zur Befestigung von Kletterpflanzen verwenden?

Welche Pflanzen als natürlichen Sichtschutz verwenden?

Zuallererst möchte ich klarstellen, dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Jede Pflanze, die den oben definierten Kriterien entspricht, kann verwendet werden, auch wenn ich sie hier nicht erwähne. Diese Liste hat also keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Absicht ist eher, mögliche Lösungen aufzuzeigen…

Heckenpflanzen

Heckenpflanzen sind einfach Pflanzen, die in „normalen“ Gärten üblicherweise als Hecken verwendet werden. Viele von ihnen können auch in Töpfen wachsen, vorausgesetzt, du wählst die richtige Sorte.

Ich denke hier zum Beispiel an Liguster, Hainbuche, Eibe, Buchsbaum und Thujen. Diese Sträucher mit oft (aber nicht immer) immergrünem Laub sind eine gute Wahl, wenn du einen dichten, kompakten Sichtschutz benötigst. Sie passen gut zu einem formalen oder sogar zeitgenössischen Stil. Sie lassen sich gut zurückschneiden und können sogar in Form geschnitten werden, was derzeit ziemlich modern ist.

Auf der anderen Seite kann der dichte Wuchs, der durchaus gewünscht sein kann, ein Nachteil sein, wenn der Platz begrenzt ist. Bei übermäßigem Gebrauch neigen sie dazu, kleine Räume einzuengen.

Gräser und Bambus

Diese grafischen Pflanzen sind derzeit die Stars auf modernen Balkonen und Terrassen. Viele von ihnen kombinieren einen Vorhang-Effekt mit einem Eindruck von Leichtigkeit. Sie sind oft pflegeleicht und benötigen außer regelmäßigem Gießen (oder auch konstant hoher Luftfeuchtigkeit) wenig Pflege.

Beispiele sind das Chinaschilf (Miscanthus sinensis) mit seinen schönen, bewegten grünen Büscheln und spektakulären Ähren und der inzwischen klassische Bambus (Fargesia murielae). Es gibt viele Sorten und ihre Winterhärte (d.h. wieviel Kälte sie vertragen) kann von einer zur anderen variieren. Lasse dich unbedingt in der Gärtnerei von einer Fachperson beraten, bevor du deine Wahl triffst. Ebenfalls in diese Kategorie, obwohl er weder zu den Gräsern noch zu den Bambus gehört, fällt der japanische Schachtelhalm, eine Wasserpflanze, die ebenfalls zur Abtrennung von verschiedenen Bereichen auf dem Balkon und der Terrasse verwendet werden kann.

Kletternde Pflanzen

Kletterpflanzen, die mit einem Spalier oder einer anderen geeigneten Stütze verwendet werden, sind wie geschaffen für die Sichtschutzrolle. Sie haben den Vorteil, dass sie sehr flexibel sind und die meisten von ihnen in die gewünschte Richtung gelenkt werden können. Je nach gewünschtem Effekt, Pflanzenart und der verwendeten Kletterhilfe kann das Ergebnis mehr oder weniger dicht sein. Außerdem sind sie sehr vielseitig und man findet für jede Ausrichtung und jeden Stil die passende Kletterpflanze.

Efeu, zum Beispiel, ist quasi universell einsetzbar. Außerdem kommt er mit Stadtklima, Staub und Wind gut zurecht und gedeiht auch in schattigen Bereichen. Dank seines immergrünen Laubes erfüllt er seine Funktion als Sichtschutz zu jeder Jahreszeit.

Für einen romantischeren und üppigeren Balkon hast du blühende Kletterpflanzen wie die Duftwicke, die exotische Passionsblume oder die schnellwüchsige Glockenrebe. Mehrjährige Pflanzen wie Clematis, Kletterrosen und Prunkwinde (letztere nur mit Winterschutz) verschönern deinen Balkon Jahr für Jahr, sofern genug Sonnenlicht vorhanden ist.

Selbst Gemüsegartenliebhaber können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem sie z. B. Feuerbohnen, Kapuzinerkresse, Zucchini, Gurken oder, wenn Sie den Platz für große Gefäße haben, Kürbisse für eine Saison anpflanzen.

Hochwachsende Blumen

Auch Blumen können als natürlicher Sichtschutz eingesetzt werden
Foto von Tetiana SHYSHKINA auf Unsplash

Für einen Balkon oder eine Terrasse mit „Wiesenflair“, kannst du dich schließlich für hochwachsende Blumen entscheiden. Diese langstieligen Blumen können in Töpfen und Kübeln, kombiniert mit kleineren Arten oder Sorten im Vordergrund wie ein richtiges Blumenbeet auf deinem Balkon aussehen. Es gibt eine fast unendliche Auswahl, von Einjährigen bis zu Stauden und in allen Farbschattierungen.

Um nur einige zu nennen, denken wir hier zum Beispiel an das Patagonische Eisenkraut, Zierlauch, Sonnenhüte und Rudbeckien, Sonnenblumen, Kandelaberehrenpreis und viele Salbeiarten. Alle gemeinsam haben sie eine Vorliebe für sonnige oder zumindest halbschattige Plätze.

In den meisten Fällen bitten sie nur in den Sommermonaten einen Sichtschutz, haben aber den Vorteil, dass sie das Licht durchlassen, die Sicht nicht komplett versperren und einen ständig wechselnden Ausblick bieten.

Mit ein wenig Phantasie und Kreativität ist es daher möglich, sich mit Sichtschutzpflanzen vor Blicken zu verstecken. Wie wir gerade gesehen haben, hat dies viele Vorteile. Je nach Situation kann es geschickt sein, mehrere Pflanzentypen oder sogar Pflanzen mit Matten oder anderen Systemen zu kombinieren.

Welche Lösung hast du gewählt, um dich auf deinem Balkon oder deiner Terrasse vor neugierigen Blicken zu verstecken? Welche gefällt dir am besten? Erzähle uns alles darüber in den Kommentaren.

Großes Foto von Osman Rana auf Unsplash

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1 thought on “Ein natürlicher Sichtschutz für den Balkongarten

  1. Liebe Valerie, das ist ja ein spannender Artikel. Wir wohnen in einer Sackstraße mit immer derselben Nachbarschaft, so dass wir dieses Problem weitgehend nicht haben. Man sieht sich zwar manchmal auch in der Früh beim Frühstück auf der Terrasse, aber gut, das ist halt so. Wenn ich in der Stadt leben würde und immer wieder Fremde vorbei gehen, würde ich mir auch einen Sichtschutz zu legen.

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