Warum ich sie ausgewählt habe?

Diese Wahl mag einigen von euch seltsam vorkommen. Denn diesmal haben wir eine Pflanze, die auf Balkongärten noch selten zu finden ist. Sie ist im Nutzgarten unverzichtbar, denn sie ist eine der weltweit meistangebauten Wurzelgemüse (zusammen mit dem Erdapfel natürlich). Aber die Balkonkisten und sonstigen Containers hat sie noch nicht richtig erobern können. Und unter uns gesagt, es gibt auch gute Gründe dafür, wie wir gleich sehen werden. Diejenige, die mich bereits kennen, wissen allerdings, dass ich gerne herumexperimentiere. Vor diesem Hintergrund hat die Karotte heuer also auf meinem Balkon auch einen Platz gefunden.

Porträt

Herkunft und Familie

Unsere gute alte Karotte oder Daucus carota gehört der Familie der Doldenblütler an, wie zum Beispiel die Petersilie oder die Sellerie. Wie viele Nutzpflanzen hat sie eine sehr lange Tradition. Die wilde Karotte scheint ursprünglich aus dem Iran zu kommen. Das Vorfahren der heutigen Karotte war allerdings damals noch lila oder gelb. Erst ab dem 17. Jahrhundert verbreitet sich aus Holland die moderne, orangene Karotte, die wir seither für die “echte” Karotte halten. Seither hat sie faktisch die ganze Welt erobert, und sie ist in allen Gemüsegärten der gemäßigten Regionen dieser Welt zu finden.

Typisch für die Doldenblütler ist die Form der Blütenständer. Auch die Karotte kann theoretisch blühen, aber erst im zweiten Jahr. So weit kommt es allerdings nur selten, da ihre köstliche Wurzel schon nach ein paar Kulturmonaten schon geerntet werden.

Klimatische Bedürfnisse und Nährstoffbedarf

Um sich gut zu entwickeln, braucht die Karotte ausreichend Licht, also eine sonnige Lage oder zumindest Halbschatten. Die Wärme wird das Wachstum deutlich beschleunigen. Wir werden es ein wenig später sehen, die Karotte ist für diverse Krankheiten und einige Schädlinge anfällig. Eine luftige Lage mit ein wenig Wind, kann ihr Erleichterung verschaffen.

Was den Boden betrifft hat die Karotte durchaus Sonderwünsche. Ein Boden nach ihrem Geschmack ist tief, nährstoffreich und locker.

  • tief: die Containers sollten mindestens 30cm hoch sein, damit sich die Karotte richtig ausbreiten kann.
  • nährstoffreich: dafür wird idealerweise der Boden noch vor der Aussaat vorbereitet. Empfohlen wird, Hornspäne noch im Herbst in den Boden einzuarbeiten. Manche raten davon ab, Kompost zu verwenden, da er zur Wurzelfäule beitragen soll. Ich denke, da muss jeder selbst ausprobieren.
  • locker: damit ihre Wurzel (für die wir uns ja besonders interessieren) gemütlich wachsen können, sollte der Boden nicht allzu viel Widerstand leisten. Ein zu kompakter Boden wäre da kontraproduktiv.

Du hast also 2 Möglichkeiten, um den Boden für die Karotte vorzubereiten:  Du kannst eine Universalerde im Herbst vor der Aussaat mit etwas Hornspännen anreichern. Oder wenn Du eher der spontane Typ ist, kannst Du eine Gemüseerde mit etwas Sand auflockern.

Wie kommst Du zu Deinen Karotten?

Wie die meisten Wurzelgemüse sollen Karotten direkt ausgesät werden, da sie das Pikieren und Umtopfen gar nicht goutieren. Die Karottenaussaat kann zu 2 verschiedenen Zeitpunkten erfolgen: ab Februar, wenn Du ab Juni Frühkarotten ernten möchtest. Oder ab Juni für Lagerkarotten. Bitte merke, dass für die verschiedenen Jahreszeiten verschiedene Varietäten angeboten werden. Wähle sie also entsprechend aus.

Karottensamen sind winzig klein, und es ist schwierig nicht zu viel auf einmal zu erwischen. Damit Du nicht zu viel davon verschwenden musst und zu dicht aussäst, kannst Du sie mit Radieschensamen (die auch noch den Platz markieren werden, da sie sehr schnell keimen), Grieß oder Kaffeesatz. Kaffeesatz soll auch noch die Möhrenfliege fernhalten, was sehr praktisch ist.

Gib die Samen in 1-2cm Tiefe und achte darauf die Erde feucht zu halten. Karotten keimen recht langsam, in der Regel nach ca. 3 Wochen. Geduld ist also angesagt! Vier Wochen nachdem die Samen gekeimt sind, solltest Du ein erstes Mal auslichten und den Abstand zwischen den Keimlingen auf ca. 3cm erhöhen. Wenn die Pflänzchen 3 Blätter haben, wird ein zweites Mal ausgelichtet. Diesmal sollte der Abstand ca. 8cm betragen. ich weiß, es tut einem immer leid, gesunde Pflanzen auszureißen. Aber die Karotten brauchen Platz zum Wachsen. Für eine gute Ernte musst Du Dir also ein Herz fassen.

Pflege

Obwohl der Karottenanbau weit verbreitet ist, ist er gar nicht so einfach. Denn die Karotte braucht recht viel Pflege, um zu gedeihen. Sie braucht regelmäßig Wasser, ohne überschwemmt zu werden. Aber das unterscheidet sie noch nicht von anderen Pflanzen.

Hier sind die weiteren Pflegemaßnahmen, die sie benötigt:

  • wenn Du sie bereits an der Oberfläche sehen kannst, decke sie mit Erde ab, damit sie nicht grün werden.
  • jäte regelmäßig Unkraut, denn sie ist nicht besonders konkurrenzstark.
  • kontrolliere häufig, ob Du Zeichen von Schädlingen und Krankheiten entdecken kannst, und entferne sofort die befallenen Pflanzen.

Unter den Karottenschädlingen zählt man insbesondere die Möhrenfliege, aber auch Läuse, bestimmte Nematoden und rote Spinnen. Darüber hinaus neigt sie zu Wurzelfäule, wenn sie zu feucht steht.

Auf alle Fälle solltest Du schnell handeln, wenn Du nicht Deine ganze Ernte verlieren willst.

Ansonsten (das ist ja auch schon wirklich genug…) braucht die Karotte nachdem sie gekeimt ist, keinen Dünger mehr und sie fürchtet sich nicht vor der Kälte. Na immerhin…!

Die Karotte auf dem Balkon

Wenn Du Containers hast, die tief genug sind (mind. 30cm) und wenn Dein Balkon hell genug ist, warum nicht die Karotte ausprobieren? Sie bleibt relativ niedrig (auch ca. 30cm) und es gibt sie in mehr als 300 Varietäten: lange, runde, lila, orange, … Du kannst sie mit anderen Gemüsepflanzen wie Lauch oder Zwiebel kombinieren, die sich nicht nur vertragen, sondern sich sogar gegenseitig unterstützen. Aber auch mit ihren Blättern kannst Du schöne Effekte erzielen, und sie zusammen mit Blumen wie Tagetes oder Calendula anpflanzen.

Empfehlung: für ambitionierte Balkongärtner

Um die Karotte erfolgreich anzubauen, solltest Du Herausforderungen mögen, und bereit sein, Dich etwas mehr einzusetzen. Der Karottenanbau ist für Anfänger sehr anspruchsvoll denn die Karotte braucht viel Pflege. Aber wenn Du die ihr richtige Bedingungen anbieten kannst, wirst Du nach 3 bis 5 Monaten die ersten eigenen Karotten genießen können. Und das wird der Lohn für all Deine Bemühungen sein.

Ich baue heuer zum ersten Mal Karotten auf meinem Balkon an, und ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse dieses Experiments. Und was ist mit Dir? Lust bekommen, die Karotte auszuprobieren? Lasse es uns in den Kommentaren unten wissen.

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