Mode vergeht, Stil bleibt.

Ui.

Eigentlich war dieses berühmte Bonmot gut gemeint. Die Wahrheit ist: Damit setzt er uns ziemlich unter Druck, der gute Yves Saint Laurent.

Denn nicht jeder kann sich der Yves Saint Laurent der Einrichtung nennen. Gerade denkst du vielleicht: „Ich kann meinen Einrichtungsstil sowieso nicht finden. Also kann ich es vergessen. Ich bin dazu verdammt, meine Wochenenden auf einem grottenhässlichen Balkon zu verbringen, zwischen zwei pickigen Plastikstühlen und langweiligen Blumenkästen.“

Richtig gruselig, nicht wahr?

Um deinen Balkon einzurichten, „sollst“ du einen Stil wählen, heißt es. Das stimmt auch. Der Platz ist oft begrenzt und eine wahllose Balkondekoration ohne roten Faden führt unweigerlich zum 1€-Shop-Flair. So weit, so gut. Aber wie finde ich ihn bloß, diesen verdammten Stil?

Die gute Nachricht ist: Es gibt Hoffnung.

Es gibt einige, manchmal wenig bekannte Methoden, um einen Einrichtungsstil für den Balkon (und mehr!) zu finden. Ohne Stil wird dein Balkon schnell wie die Abstellkammer deiner Oma aussehen und du wirst dort nicht gerne Zeit verbringen (in der Abstellkammer, nicht bei der Oma). Von einem bin ich fest überzeugt: um seinen Außenbereich richtig genießen zu können, sollte man ihn mit der gleichen Sorgfalt gestalten wie den Rest seiner Wohnung.

Die „Farbmethode“ zum Beispiel ist simpel und effektiv. Mit ihr kannst du dich schnell im Dschungel der Einrichtungsstile zurechtzufinden. Aber es gibt auch noch andere Methoden! Heute präsentiere ich dir eine Selektion meiner Lieblinge. Welche wird wohl dein Liebling werden?

Einen Einrichtungsstil für den Balkon finden: der analytische Weg

Der frische Blick

Diese Methode geht davon aus, dass wir uns spontan mit Gegenständen umgeben, die uns gefallen. Zumindest war das so zum Zeitpunkt, wo wir sie erworben haben. Zu Hause angekommen, sind diese Gegenstände vielleicht nicht mehr so „wow“ wie im Geschäft. Dennoch haben wir sie mitgenommen. Das ist kein Zufall.

Schau dir nun zu Hause deine Möbel und deine Deko an und versuche herauszufinden, welche Eigenschaften sie gemeinsam haben: Sind das Farben, Texturen, Materialien, Formen? Dazu kann es hilfreich sein, diese Elemente an einem Ort zu bringen, um sich der Ähnlichkeiten, die uns vielleicht nicht auf den ersten Blick auffallen, besser bewusst zu werden.

Und wenn du nicht alles herumtragen willst, mache Fotos und erstelle eine Collage auf deinem Computer. Der Effekt ist oft verblüffend.

Abgesehen davon, dass diese Methode so leicht ist, hat sie noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil. Der Balkon oder die Terrasse sind oft recht kleine Räume. Wenn du sie als „Verlängerung“ deiner Wohnung gestaltest, verleihst du dem Ganzen ein größeres Raumgefühl und eine Kohärenz, die einen Riesenunterschied macht.

Der Kleiderschrank

Hier handelt es sich wieder um einen mühelosen und intuitiven Ansatz, um einen Einrichtungsstil für den Balkon auszusuchen. Auch hier ist es kein Zufall, dass wir immer wieder die gleiche Art von Kleidung kaufen. Wichtig ist natürlich, dass wir uns auf die Kleidungsstücke konzentrieren, die wir wirklich tragen (und nicht auf die, die im hintersten Winkel des Schranks verstauben).

Stelle dir erneut diese Fragen: Welche Art von Farben finde ich da? Helle oder neutrale Farben? Kühle oder warme? Gibt es viele Muster oder ist meine Garderobe eher einfarbig?

Ist meine Kleidung eher lässig, bequem oder repräsentativ? Trage ich eher natürliche oder synthetische Materialien?

Mit dieser Technik können wir uns einen Überblick über unseren Geschmack und unsere natürlichen Neigungen verschaffen. Interessant ist zudem, dass unabhängig davon, ob es sich um unsere Kleidung oder unseren Einrichtungsstil handelt, die gleichen Prinzipien gelten.

Magst du kräftige Farben? Verwende sie sparsam, indem du Akzente setzt. Genauso wie du nicht wie ein Paradiesvogel aussehen willst, kann eine zu bunte Einrichtung irgendwann erdrückend werden und nicht mehr zum Ausruhen und Entspannen einladen.

Die Farbmethode

Die Farbmethode ist eine einfache Methode, den eigenen Einrichtungsstil zu finden.

Ich habe diese Vorgehensweise vor einiger Zeit beim Durchblättern eines Buches entdeckt. Auf den ersten Blick erschien sie mir zu vereinfachend. Bei näherer Betrachtung fand ich sie doch genau aufgrund dieser Einfachheit und vor allem ihrer Treffsicherheit interessant.

Meiner Meinung nach ist sie eine sehr praktische Methode für alle, die mit diesem Thema beginnen. Die Farbe ist bestimmt das offensichtlichste Stilelement. Natürlich ist sie nicht das Einzige, aber es ist zweifelsohne ein dominantes Element. Indem wir uns auf die Farben konzentrieren, können wir uns bei unseren Entscheidungen gut orientieren.

Das Prinzip: Notiere dir die Farben, die dich beim Einrichten und Dekorieren am meisten ansprechen. Dazu kannst du dich von Fotos aus Zeitschriften oder Bildern aus dem Internet inspirieren lassen. Auch hier wirst du schnell feststellen, dass du dich oft von denselben Farben angezogen fühlst.

Vergleiche diese Farben dann mit den Farbkombinationen, die mit typischen Einrichtungsstilen verbunden sind, wie dem skandinavischen Stil (neutrale Farben, blau, grün), dem romantischen Stil (Pastellfarben), dem minimalistischen Stil (neutrale Farben, …).

Sobald du deinen Lieblingsstil identifiziert hast, ergeben sich die anderen Elemente wie Formen, Materialien, Muster, aber auch Pflanzen ganz natürlich daraus. Übrigens: Wenn du ein stimmiges Pflanzkonzept für den Balkon brauchst, kannst du dich hier zum Newsletter anmelden und die Gratis-Anleitung herunterladen.

Die kreativen Tools

Das physische Moodboard

Man kommt immer wieder darauf zurück. Das Werkzeug des Moodboards ist weder neu noch besonders originell. Das ist DER Klassiker unter den Dekorations- und Designansätzen. Aber nur weil jeder davon spricht, heißt das nicht, dass diese Methode nicht wirkungsvoll ist.

Kannst du dich noch gut an „Bildnerische Erziehung“ in der Schule erinnern? Dann ist diese Methode genau das Richtige für dich. Nimm dazu ein großes Blatt Papier (ein A3-Blatt oder sogar ein Flipchart) und eine Schere zur Hand und sammle die Elemente, die du gerne in der Einrichtung deines Balkons wiederfinden würdest.

Dabei kann es sich um visuelle Elemente (Farben, Fotos, Stimmungen …) handeln, die du im Internet, in Zeitschriften usw. gefunden hast, aber auch um Stoffmuster, Redewendungen oder inspirierende Sätze. Der Vorteil eines „physischen“ Moodboards ist, dass die haptische Seite die Kreativität aktiviert und dass man einfach so nebenbei etwas hinzufügen kann. Eine gute Methode, um die eigene kreative Ader (wieder) zu finden!

Die Collage 2.0

Für alle, die mit modernen Hilfsmitteln besser zurechtkommen, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, eine digitale Collage mit Tools wie Canva oder Pinterest zu erstellen. Dazu musst du nur nach inspirierenden Fotos suchen und diese zusammenstellen. Mit dem Internet ist das heute ganz einfach. Mehr Tools für die Herstellung deines Moodboards gibt es hier.

Die Gefahr besteht allerdings darin, dass man ins Plagiat verfällt oder sich einfach unter Druck setzt. Das ist einer der häufigsten Fehler, wenn man sich daran macht, seinen Balkon einzurichten. Um dieses Problem zu entschärfen, lade ich dich dazu ein, deine Suche breiter zu gestalten und persönliche Fotos hinzuzufügen.

Verwende nicht nur Fotos von „idealen“ Balkonen, die nur für das Foto hübsch gemacht wurden. Orientiere dich an realistischeren Beispielen und baue auch Elemente ein, die (auf den ersten Blick) nichts mit deiner Balkondekoration zu tun haben. Das kann eine Landschaft, ein Garten, Muster, Details, eine Pflanze oder eine Stimmung sein, die dich besonders inspiriert.

Mit den beiden oben erwähnten Werkzeugen kannst du die Bilder mit Kommentaren versehen und Text hinzufügen. Somit kannst du festhalten, was dich bei diesem Bild am meisten anspricht.

Die ungewöhnliche Methode

Keine Panik, für die Anwendung dieser Vorgehensweise ist der Konsum bewusstseinserweiternde Substanzen nicht erforderlich.

Die Methode der Fantasiereise, die ich dir hier vorstelle, beruht auf Forschungen im Bereich der Wohnpsychologie. Die Erfahrungen aus unserer Vergangenheit und insbesondere aus unserer Kindheit beeinflussen unseren Geschmack. Das gilt für das Kochen, unsere Beziehungen zu anderen Menschen, unsere Freizeitgestaltung und natürlich auch für das Wohnen. Hier geht es also ganz einfach darum, sich dieses „Erbes“ bewusst zu werden.

Wenn wir uns gedanklich einen Ort vorstellen, an dem wir ein tiefes Wohlgefühl verspürt haben, kommen uns Details wieder in den Sinn: Materialien, Farben, Empfindungen (insbesondere, Gerüche und Berührungen), Licht, bestimmte Gegenstände …

So können wir diese Elemente in die Einrichtung unseres Balkons integrieren, um das angestrebte Wohlbefinden wiederzufinden. Wenn du die Übung mit verschiedenen Orten aus der Vergangenheit wiederholst, ist es sehr wahrscheinlich, dass wieder Gemeinsamkeiten auftauchen.

Um dieses Werkzeug zu nutzen, musst du diese Orte nicht genau nachbauen (es kann sogar sein, dass dir der Stil des Ganzen nicht oder nicht mehr gefällt). Es reicht, wenn du dich von ihnen inspirieren lässt und die Highlights bei dir zu Hause einsetzt.

In diesem Artikel hast du verschiedene Wege kennengelernt, um den Einrichtungsstil für deinen Balkon auszuwählen. Wie du siehst, musst du unabhängig von deiner Persönlichkeit kein kreatives Genie sein, um den Stil zu finden, der deinem Außenbereich das gewisse Etwas verleiht.

Stil ist schließlich ein Muskel. Er muss nur trainiert werden. Wenn du noch unsicher bist, beginne mit einer einfachen Technik wie die des frischen Blicks. Sie ermöglicht einen schnellen Start mit dem, was du bereits zu Hause hast, und ohne Kosten zu verursachen.

Zögere nicht, mir in den Kommentaren zu sagen, welche Methode du bereits ausprobiert hast und welche dir am besten gefällt. Ich bin schon gespannt, was du rausfindest.

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