Dieser neue Trend, der in Wirklichkeit nicht ganz so neu ist, ist euch sicher nicht entgangen. Ich spreche hier vom vertikalen Gärtnern. Oft findet man ihn unter dem moderneren Namen „vertical gardening“. Dabei ist es eine über 30 Jahre alte französische Erfindung.

1986 schuf Patrick Blanc, Botaniker am CNRS, seine erste grüne Wand für die Cité des Sciences et de l’Industrie. Wie du merkst, ist die Erfindung nicht neu! Es dauerte jedoch einige Zeit, bis sie populär wurde. Jetzt erobert sie die Gärten und insbesondere urbane Gartenräume wie Balkone und Terrassen im Sturm. Dieser Trend findet sich sogar zunehmend in der Innenarchitektur wieder.

Was ist vertikales Gärtnern?

Bevor ich es mir genauer angesehen habe, muss ich zugeben, dass ich ein kompliziertes Bild davon hatte. Wenn man Botaniker am CNRS sein muss, um eine grüne Wand zu bauen, muss es einfach kompliziert sein. Für mich war das ein Thema, das man besser Fachmännern oder zumindest sehr talentierten Heimwerkern überlassen sollte. Und ich zähle mich leider nicht dazu…

Aber am Ende, wie wir später sehen werden, ist das vertikale Gärtnern viel einfacher umzusetzen, als es auf dem ersten Blick scheint. Achtung, ich spreche hier nicht von der Begrünung einer ganzen Fassade oder eines ganzen Gebäudes. Aber wenn es dir darum geht, die dritte Dimension (die Vertikale) in deinem Gartenraum zu nutzen, ist es bereits vertikales Gärtnern. So einfach ist das… zumindest, was das Konzept angeht. In weiterer Folge werde ich noch auf einige dieser einfachen vertikalen „Systeme“ zu sprechen kommen, die in Wahrheit nichts Neues sind. Und doch liegen sie voll im Trend.

Warum ist vertikales Gärtnern so erfolgreich?

Auch die Garten- und Outdoorgestaltung sind Moden und Trends unterworfen. Blumenarten, die vor ein paar Jahren in Mode waren, wirken heutzutage altbacken und umgekehrt. In diesem Sinne erlebt das vertikale Gärtnern derzeit ein starkes Comeback. Aber abgesehen davon hat es unbestreitbare Vorteile.

  • Ein vertikaler Garten ist platzsparend. Der Platz auf Balkonen und Terrassen ist in der Regel begrenzt. Auf jeden Fall ist der Raum zu klein verglichen mit all den Wünschen der Bewohner. Vertikales Gärtnern macht es möglich, die Wände zu erklimmen und diese sonst leere Flächen für Gemüse- oder Zierpflanzen zu nutzen. Sie müssen sich nicht mehr zwischen Pflanzen und Gartenmöbeln entscheiden. Es ist plötzlich Platz für beides!
  • Die positiven Auswirkungen einer grünen Umgebung auf unser Wohlbefinden sind inzwischen sehr gut belegt. Der bloße Anblick einer Pflanze (sogar auf einem Foto, aber klarerweise haben wir hier andere Ambitionen) entspannt uns bereits. Pflanzen an der Wand verbessern auch die Luftqualität, dämpfen Geräusche und verbessern die thermische Isolation. Hier denkst du vielleicht insbesondere an den Winter. Aber wenn ich an die sengende Hitze zurückdenke, die in den letzten Jahren im Sommer auf meinem Balkon herrschte, bringt mich das auf Ideen…
  • Gut geplant und ausgeführt, machen eine begrünte Wand oder ein Pflanzenbild wirklich was her. Zweifelsohne sind sie für jeden Balkon oder jede Terrasse eine großartige optische Bereicherung. Schaue dir einfach ein paar Fotos im Internet an, um dich selbst davon zu überzeugen. Sie ermöglichen es aber auch, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Sie sind eine gute Lösung, um eine unansehnliche Wand zu verschönern oder zu verstecken oder um sich vor unerwünschten Blicken zu schützen.

Welche Lösungen gibt es für vertikales Gärtnern?

Ich habe bereits erwähnt, dass ich anfangs sehr viel Respekt vor dem vertikalen Gärtnern hatte. Zu technisch und zu kompliziert erschien es mir. Aber ich lag definitiv falsch. Natürlich gibt es fertige, ausgeklügelte Systeme auf dem Markt, aber man muss sich nicht für ein solches entscheiden, um vertikal zu gärtnern. Sicher ist auf jeden Fall, dass für jeden etwas dabei ist.

Von den traditionellsten Lösungen…

Die einfachsten „Systeme“ sind ziemlich banal, aber nicht weniger effektiv. Mit Regalen, an der Wand montiert oder einfach auf den Boden gestellt, bist du schon ganz gut dabei. Ein Wandpaneel, an das du Töpfe, Pflanzsäcke oder andere selbst hergestellte Gefäße (Dosen, Getränkekartons, etc…) hängst, nimmt noch weniger Platz in Anspruch.

Du kannst auch das Geländer deines Balkons oder deiner Terrasse verwenden. Es gibt z.B. Schlaufensysteme, mit denen du mehrere Pflanzgefäße übereinander hängen kannst.

Schließlich ist eine der einfachsten Lösungen, vertikal zu gärtnern, natürlich Kletterpflanzen einzusetzen. Wenn du genügend Platz hast, um ein Pflanzgefäß auf den Boden zu stellen, kombiniert mit einem Spalier, um die Wände nicht zu beschädigen oder zu verschmutzen, bleibt es die einfachste Lösung für die Begrünung einer Wand.

Zu den modernsten

Wandbegrünungssysteme sind die modernere Version der traditionellen Lösungen, die ich gerade vorgestellt habe. Es handelt sich in der Regel um eine Gruppe von (kleinen) Pflanzgefäßen oder -säcken, die mit Substrat gefüllt und an die Wand gehängt werden. Die Auswahl ist sehr groß geworden und es stehen sehr einfache (nur Gefäße) oder anspruchsvollere Systeme (mit Auffangwanne für das Wasser, integrierten Bewässerungssystemen oder sogar kleinen Wasserfällen…) zur Verfügung.

Do-it-yourself

Zu guter Letzt hast du natürlich auch die Möglichkeit, deine eigene Lösung zu schaffen. Die Möglichkeiten sind endlos. Nicht unbedingt modern, aber sehr trendy sind zum Beispiel Paletten, die inzwischen alle Wohnbereiche erobert haben.

Worauf du beim vertikal Gärtnern achten solltest

Trotz seiner aktuellen Beliebtheit und unerwarteten Einfachheit erfordert das vertikale Gärtnern immer noch ein wenig Geschick.

Technisch gesehen muss zunächst sichergestellt werden, dass das gewählte System die nötige Stabilität hat, um das Gewicht der gefüllten Gefäße zu tragen. Nasse Erde ist schwer, und wenn sie senkrecht stehen, sind die Wandelemente oft dem Wind ausgesetzt. Prüfe daher die Beschaffenheit der Wände und eventuell der Decke, an denen du diese Elemente befestigen möchtest.

Während viele fertige Systeme mit einem Hintergrund ausgestattet sind, die die Pflanzgefäße von der Wand isoliert, ist dies nicht immer der Fall. Wenn du dich für eine selbst gebastelte Lösung entscheidest, muss dies berücksichtigt werden. Um eine Verschmutzung oder gar Beschädigung der Wände zu vermeiden, kann es notwendig sein, vor der Montage des Systems deiner Wahl einen Anstrich mit wasserfester Farbe aufzutragen.

Wenn du dich für nicht wasserdichte Gefäße entscheidest (wie z. B. Pflanztaschen aus Filz), benötigst du schließlich eine Wasserauffangwanne, damit du deinen Balkon oder den der Nachbarn unter dir nicht überflutest.

Die Pflanzauswahl für den vertikalen Garten

Die Auswahl der Pflanzen ist ein Thema, das bei jedem Gartengestaltungsprojekt mit Sorgfalt behandelt werden sollte. Sie bestimmt nämlich nicht nur den Gesamteindruck und die Ästhetik deiner Installation. Sie ist auch entscheidend für das Überleben der Pflanzen.

In diesem Sinne ist ein vertikaler Garten keine Ausnahme. Doch die oft schon schwierigen Wachstumsbedingungen auf Balkon oder Terrasse sind bei einem vertikalen Garten noch heikler. Der bestimmende Faktor ist die Größe der Gefäße, die den verfügbaren Platz für die Wurzelentwicklung einschränkt und die Bewässerung zu einem Kopfzerbrechen machen kann.

Es ist daher äußerst wichtig, Pflanzen zu wählen, die an die Bedingungen deines Gartenraums (Licht, Temperatur, Wind, Feuchtigkeit) angepasst sind und auf begrenztem Raum wachsen können.

Wähle Pflanzen, die dafür bekannt sind, pflegeleicht, (zumindest für kurze Zeit) trockenheitsresistent und bescheiden zu sein, was ihren Nährstoffbedarf betrifft. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien ist es möglich, z. B. Sukkulenten, Kräuter, Farne oder viele Arten von Hängepflanzen anzubauen.

Die Pflege deines vertikalen Gartens

Die Bewässerung ist zweifelsohne die größte Herausforderung bei vertikalen Gärten. Wenn du dich für ein traditionelles System (ein einfaches Regal mit Töpfen) entscheidest, kann dies bei einer großen Anzahl von Pflanzen aufwändig werden. Es ist aber letztlich recht einfach zu realisieren. Eine Gießkanne wird es auch tun.

Bei fertigen Systemen wird die Sache etwas komplizierter, weil die Behälter oft sehr klein und manchmal nicht wasserdicht sind (siehe oben). Wenn du dich für eine Lösung entscheidest, die ein integriertes Bewässerungssystem beinhaltet, ist dein Problem weitgehend gelöst. Ansonsten ist ein automatisches Tropfbewässerungssystem sehr zu empfehlen, damit die Pflege deines vertikalen Gartens nicht zur lästigen Pflicht wird. In jedem Fall ist es entscheidend, diesen Punkt vor der Auswahl einer bestimmten Lösung zu berücksichtigen.

Abhängig von der gewählten Lösung und den gewählten Pflanzen wird der Dünger zu Beginn (durch Anreicherung des Substrats) oder regelmäßig z. B. mit dem Gießwasser zugegeben. Wenn du dich für ein System mit getrennten (oder sogar herausnehmbaren) Gefäßen entscheiden, wird das Umtopfen stark vereinfacht. Ansonsten musst du dich mit einem Austausch der Erde an der Oberfläche zufriedengeben. Auch hier gilt es, eine Entscheidung zu treffen und diese von vornherein zu berücksichtigen.

Wie wir gerade gesehen haben, ist vertikales Gärtnern nicht unbedingt kompliziert. Es sind jedoch einige Faktoren zu beachten, um damit erfolgreich zu sein. Wie ich in diesem Artikel erwähnt habe, bin ich gerade dabei, meinen Balkongarten neu zu gestalten, und ich erwäge ernsthaft, vertikal zu gehen. Und du, hast du es schon mal probiert? Hast du Lust bekommen? Teile deine Meinung und Erfahrungen in den Kommentaren mit, wir sind gespannt dich zu lesen!

Bild von Paweł Czerwiński auf Unsplash

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