Würdest du jemals auf die Idee kommen, ohne Kompass und Karte (oder heutzutage ohne GPS) loszuwandern? Oder noch schlimmer, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben? Wenn man nicht weiß, wohin man gehen will, wird man wohl kaum ankommen, oder? … Nun, die meisten Menschen, die ihre Freiräume gestalten, tun dies ohne ein Gesamtkonzept im Kopf. Ich habe bereits über die häufigsten Fehler in der Außengestaltung berichtet. Wer sich ohne Gartenkonzept in ein Gestaltungsprojekt stürzt, macht unweigerlich Fehler. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Aber um wirklich erfolgreich zu sein, muss das Konzept für die Außengestaltung auch stimmig sein. Was bedeutet das? Das möchte ich euch heute erklären.

Schön ist gut, sinnvoll ist besser

Räumen wir vorab mit einem häufigen Irrglauben: ein stimmiges Gartenkonzept ist nicht unbedingt (oder nicht nur) ein ästhetisches Konzept. Eventuell gelingt sogar die ästhetische Gestaltung deines Außenbereichs auch ohne stimmiges Gesamtkonzept. Mit einem sicheren Geschmack, dem richtigen Gespür für Moden und Trends und ein wenig Erfahrung kann man schon schaffen. Aber wird dir dein Garten, dein Balkon oder deine Terrasse in diesem Fall mehr als nur ein schönes Bild zum Anschauen bieten? Wirst du damit wirklich und vor allem auf Dauer zufrieden? Kurz gesagt: Wird es deinen Bedürfnissen gerecht? Denn das ist es, was ein sinnvolles Konzept ausmacht!

Keine Angst, jedoch, ein stimmiges Konzept finden muss nicht unbedingt kompliziert sein. Wie so oft kannst du mit gesundem Menschenverstand und den richtigen Fragen viel mehr erreichen als die meisten, die mit der Gestaltung ihres Gartenraums einfach so beginnen. Schreibe deine Ideen auf Papier, damit du bei Bedarf darauf zurückgreifen kannst. So ersparst du dich viele Unannehmlichkeiten und unnötige Ausgaben.

Welche Elemente sind für ein stimmiges Gartenkonzept wichtig?

Die Fakten in die Augen schauen

Zunächst einmal möchte ich immer zuerst wissen, womit ich es zu tun habe, bevor ich mich an die Gestaltung eines Raumes mache … Die Fakten, die du nicht außer Acht lassen solltest, sind die folgenden:

  • Die Größe, die Abmessungen und die Form deines Außenbereichs. In Städten sind kleine, verwinkelte Außenräume durchaus üblich. Als wären sie ursprünglich gar nicht geplant gewesen…
  • Das Klima, die Himmelsrichtung und die Lichtverhältnisse,
  • Der Boden (auch ob du einen Zugang zu „Mutterboden“ oder einen Topfgarten hast)
  • Die Umgebung: das Grätzel, der Ausblick, die Nachbarschaft, der Lärmpegel, die Qualität der Luft …
  • Die „Schönheitsfehler“, die du kompensieren möchtest, ob optische oder andere Fehler wie Lärm oder sogar ein gespanntes Verhältnis mit dem Nachbarn …
  • Die vorhandenen Pflanzen und insbesondere die Bäume, die in vielen Fällen geschützt sind

Die Bewohner und ihre Bedürfnisse

Die Wohnbedürfnisse aller Bewohner berücksichtigen
Bild: CDC auf Unsplash

Es klingt zwar komisch, aber die Bewohner werden bei Gestaltungsprojekten oft vergessen… Ich stelle mir deshalb immer diese Frage: Für wen will ich den Außenbereich gestalten?

  • Wer sind die Bewohner? Wer wird den Gartenraum nutzen? Sind es nur eine Person oder auch der Partner(in)? Müssen die Bedürfnisse von Kindern und vielleicht auch die von Haustieren berücksichtigt werden?
  • Deine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche: Was meine ich damit? Ein Bedürfnis ist für mich etwas sehr Grundlegendes. Ein Wunsch ist eher die Art und Weise, wie das Bedürfnis erfüllt werden kann. Wir alle haben zum Beispiel das Bedürfnisnach Sicherheit. Aber dieses Bedürfnis kann auf unterschiedliche Weise erfüllt werden.
  • Deine Werte: Das können z. B. der Respekt vor der Natur, das Teilen mit anderen, der Wunsch Kindern etwas beizubringen, etc… sein.
  • Deine Persönlichkeit und dein Lebensstil: bist du eher der ruhige Typ oder eher „überdreht“? Soll dein Gartenraum dir Kraft und Erholung bringen oder deine Kreativität „aktivieren“?
  • Dein gärtnerisches Wissen,
  • Und schließlich natürlich dein Geschmack und dein Stil.

Die Beziehung zum Innenraum

So wie deine Wohnung in einem größeren geografischen Kontext steht (ein Gebäude, ein Grätzel, eine Stadt …), ist auch der Außenraum untrennbar mit dem Innenraum verbunden. Das gilt ganz besonders in der Stadt, wo alles so verdichtet ist. Es ist daher immer eine gute Idee, deine Inneneinrichtung in das Gartenkonzept einzubeziehen.

  • Was siehst du oder möchtest du sehen, wenn du aus dem Fenster schaust?
  • Soll der Gartenraum als „Pufferzone“ zwischen der Straße und dem Haus fungieren?
  • Soll der Außenbereich einen Mangel, ein Bedürfnis erfüllen, das durch die Inneneinrichtung nicht befriedigt wird / werden kann?
  • Welchen Mehrwert und welche zusätzliche Wohnqualität kann ich damit gewinnen?

Darf es auch schön sein?

Meine Botschaft war hoffentlich deutlich genug. Die Deko ist nicht das Thema, das ich vorrangig bei einer Gestaltung behandle. Womöglich habe ich mit dieser Einstellung schon eine ganze Reihe von Lesern verloren. Aber Mein grüner Balkon ist kein Dekomagazin 😉

Eines ist sicher: unsere Umgebung muss uns auch gefallen, damit wir uns wohlfühlen. Mehr noch: Wir müssen uns unsere Wohnumgebung zu eigen machen und sie nach unserem Geschmack umgestalten. Und hier kommt endlich die Ästhetik ins Spiel.

Ist also alles erlaubt? Es heißt doch, über Geschmack lässt sich nicht streiten, oder? Nun auch auf die Gefahr hin, wieder ein paar Leser zu verlieren, würde ich sagen, dass ich diese Meinung nicht (ganz) teile.

Suchst du Ruhe und Erholung in deinem Gartenraum? Dann werden einige Farben besser geeignet sein als andere. Du bist viel beschäftigt und wünschst dich einen pflegeleichten Garten: Vergiss englischen Rasen oder moderne, „cleane“ Gärten.

Natürlich muss dir das Aussehen deines Außenbereichs gefallen. Aber die Wahl des Gestaltungsstils, des Farbschemas und der Pflanzen sollte sich vor allem danach richten, welche Wirkung sie auf dich als Bewohner haben sollen. In diesem Sinne wird ein ästhetisches Konzept also Teil eines erfolgreichen Gartenkonzepts.

Der innere Garten

Ich bin davon fest überzeugt: Unser Wohnraum und unser „äußerer“ Garten beeinflussen unseren inneren Garten. Ein sinnvolles Gartenkonzept geht daher weit über Moden und Trends hinaus und versucht, unsere Bedürfnisse auf nachhaltige Weise zu befriedigen.

Wie bist du vorgegangen, um deinen Außenbereich zu gestalten? War die Ästhetik der wichtigste Faktor oder hast du dich von anderen, für dich wichtigeren Aspekten leiten lassen? Zögere nicht, mir deine Meinung in den Kommentaren zu schreiben. Ich bin neugierig von dir zu lesen.

Großes Bild: Mike Erskine auf Unsplash

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