Warum ich ihn ausgewählt habe?

Mit dem Gedanken, Obst auf dem Balkon anzubauen, hatte ich schon lang gespielt. Gemüse, das ist schön und gut, aber die Kinder (zumindest meine) können sich dafür nicht wirklich begeistern. Erdbeeren gehen auf Balkongärten immer, aber es musste etwas mehr Vielfalt her. Also was nun? Beim Durchblättern eines Pflanzenkatalogs bin ich dann auf sie gestoßen: die Zwergobstbäume. Ein Blick auf ihre Bedürfnisse und die Bedingungen auf meinem Balkon, und der Entschluss fiel nicht schwer. Ein süßes Bäumchen, das auch im Topf wachsen kann, die Wärme mag, selbstbefruchtend und krankheitsresistent ist… Das war der richtige für mich, ein Zwergpfirsichbaum namens „Bonanza“.

Porträt

Herkunft und Familie

Die Spuren des Pfirsichbaums oder „Prunus Persica“ verlieren sich beinahe in die Vergangenheit, denn in Europa kennt man ihn mindestens seit der Antike. Dieses Familienmitglied der Rosengewächse oder Rosaceae ist mit der Erdbeere oder der Kirsche verwandt. Zu uns ist er aus Nordchina und der Mongolei über Persien (daher der Name) gekommen. Während seiner langen Züchtungsgeschichte haben sich Gärtner darauf konzentriert, den Geschmack und die Größe der Früchte zu verbessern. Aber nicht nur, denn an der Winterhärte wurde auch viel gearbeitet.

Heutzutage findet man den Pfirsichbaum in allen Regionen der Welt, wo das Klima mild und gemäßigt ist.

Klimatische Bedürfnisse und Nährstoffbedarf

Wir wären also bereits bei dem Knackpunkt angelangt. Denn trotz jahrhundertlanger Züchtung bleibt der Pfirsichbaum etwas kälteempfindlich. Theoretisch ist er winterhart und kann Temperaturen bis zu -15 Grad aushalten. Aber Vorsicht ist bei Topfpflanzen immer geboten! Der Wurzelballen darf nicht frieren und Frost während der Blütezeit ist fatal (zumindest für die Ernte).

Der Pfirsichbaum blüht recht früh im Jahr (manche schon im März, noch bevor sich die Blätter zeigen für manche). Und das ist der Grund, warum er ein mildes Klima benötigt. Wenn er blüht, sollte die Frostgefahr möglichst gebannt sein. Ansonsten wird es keine Früchte geben. Darüber hinaus ist ausreichend Sonne für den Geschmack sehr wichtig. Ach ja, und Wind mag er auch nicht. Zusammenfassend steht unsere kleine Diva also am besten an einem warmen, sonnigen und windgeschützten Ort.

Wie die meisten Obstbäume hat der Zwergpfirsichbaum einen relativ hohen Bedarf an Nährstoffen und Wasser. Bei der Pflanzung oder im Frühling ist es sicherlich eine gute Idee, ihm mit einem stickstoffhalten Langzeitdünger (wie Hornspännen zum Beispiel) zu versorgen. Gedüngt wird dann nochmals im Juni. Da der erwachsene Pfirsichbaum auch noch ungern den Platz wechselt oder in unserem Fall umgetopft wird, werden jedes Jahr an der Oberfläche ein paar cm Erde ausgetauscht.

Besonders wohl fühlt sich schließlich der Pfirsichbaum in einem leicht sauren Boden. Ist der Boden zu kalkhaltig, neigt er zur Chlorose (eine Mangelerscheinung). Um dem entgegenzuwirken, habe ich etwas Rhododendronerde in die Universalerde gemischt. Dazu achte ich immer darauf, ihn mit abgestandenem Wasser zu gießen. Wer Regenwasser hat, hat es noch besser!

Pflege

Ich habe es bereits erwähnt, der Pfirsichbaum braucht relativ viel Wasser. Mit dem Alter geht der Bedarf zwar zurück, aber Du solltest immer im Kopf behalten, dass die Wasserreserven in einem Topf sehr begrenzt sind. Am besten gießt Du ihn also, sobald die Erde an der Oberfläche angetrocknet ist. Wenn Du darauf achtest, dass der Boden gut drainiert ist, hält sich das Risiko, ihn zu übergießen in Grenzen. Und wenn Du es genauer wissen willst, gibt es einen Trick: setz ein paar Sommerblumen oder zum Beispiel Knoblauch dazu ein. Das sieht nicht nur hübsch aus und spart Platz, sondern zeigt Dir auch wenn der Baum Durst hat.

Der Schnitt

Bis jetzt war alles noch einfach. Etwas komplizierter wird es, wenn es um das Thema des Schnitts geht. A priori braucht der Pfirsichbaum einen Rückschnitt, da er nur am „richtigen“ Holz Früchte trägt. Ich habe allerdings auch die Information gefunden, dass der Zwergpfirsichbaum KEINEN Rückschnitt braucht… Wer hat also recht?

Für den Fall der Fälle habe ich beschlossen, meinem Pfirsichbaum einen Rückschnitt zu verpassen. Der beste Zeitpunkt dafür ist der zeitige Frühling, knapp vor der Blüte. Dann lässt sich die Spreu von Weizen am Leichtesten trennen. Es sieht übrigens so aus, als würde das Thema „Baumrückschnitt“ Bänder füllen können. Ich werde mich also hier auf die Methode konzentrieren, die ich am Einfachsten gefunden habe:

  • Holztriebe tragen ausschließlich Blattknospen und sollen oberhalb des zweiten Auges geschnitten werden.
  • Falsche Fruchttriebe tragen viele Blütenknospen und nur eine Blattknospe an der Spitze. Diese sollen ebenfalls oberhalb des zweiten Auges geschnitten werden.
  • Wahre Fruchttriebe tragen sowohl Blüten- als auch Blattknospen, oft zu dritt an einer Stelle mit einer Blattknospe zwischen zwei Blütenknospen. Sie sind Deine Zukunftshoffnung und werden im nächsten Jahr Früchte tragen. Sie sollen um ca. 1/3 gekürzt werden.
  • Die Buketttriebe wachsen direkt am Stamm und werden nicht zurückgeschnitten, da sie auch Früchte tragen können.

Nach der Ernte werden noch die Triebe entfernt, die Früchte getragen haben, da sie absterben werden. Zusätzlich wird der Baum von allen abgestorbenen Ästchen befreit.

Die Feinde des Pfirsichbaumes

Was Krankheiten und Schädlinge betrifft, ist der Pfirsichbaum vor allem für die Kräuselkrankheit anfällig. Dabei handelt es sich um eine Pilzkrankheit. Leider gibt es gegen diese keinen Heilmittel. Dies bedeutet also, dass Vorbeugen die beste Verteidigung sein wird. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Mancherorts wird eine Spritzung mit kupferhaltigen Mitteln im Frühjahr empfohlen. Dies ist umwelttechnisch jedoch nicht unbedenklich. Auch eine Spritzung mit Schachtelhalm oder Knoblauchsud kann dabei helfen. Am besten und einfachsten ist es natürlich, eine gegen die Kräuselkrankheit resistente Sorte auszuwählen (wie eben Bonanza).

Auch wenn die Kräuselkrankheit lästig ist, den Ertrag erheblich reduzieren und den Baum schwächen kann, ist sie selten tödlich, wenn sie im Zaum gehalten wird. Sei also vorsichtig und überlege Dir den Einsatz von chemischen Mitteln gut.

Was ich auch noch beobachtet habe, ist dass der Zwergpfirsichbaum von Spinnmilben ganz gern befallen wird. Dagegen besprühe ich ihn also regelmäßig mit Wasser, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Da macht es allerdings auch die Menge aus, da zu viel Feuchtigkeit die Kräuselkrankheit begünstigen kann.

Der Zwergpfirsichbaum auf dem Balkon

Um den Zwergpfirsichbaum auf deinem Balkon anzubauen, brauchst Du schon mal genug Platz. 40l ist das Mindestvolumen, das Du ihm anbieten solltest. Du wirst wahrscheinlich keine Riesenernte einfahren, aber jeder Pfirsich wird Dir eine große Freude bereiten. Und die Früchte sind noch nicht alles, denn er blüht wunderschön im Frühjahr, und seine hübschen Blätter werden den ganzen Sommer Deinen Balkon verschönern.

Er wird max. 1,50m groß und nimmt also nicht so viel Platz. Außerdem kann man ganz gut (das ist sogar empfohlen, siehe weiter oben) Sommerblumen oder Kräuter dazu setzen. So geht kein Platz verloren.

Empfehlung: mit Vorbehalt

Seien wir uns ehrlich, der Anbau des Zwergpfirsichbaumes ist nicht das Einfachste. Ideal ist ein Südbalkon, auch wenn ein heller West- oder Ostbalkon einem Versuch wert sind. Zu beobachten, wie sich ein Pfirsich bildet, größer und schöner wird, das ist ein wunderschönes Erlebnis für Groß und Klein.

Hast Du auch Zwergobstbäume auf Deinem Balkon? Wenn ja, oder wenn Du bis jetzt nur davon geträumt hast, erzähle es uns in den Kommentaren unten.

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